Ailentis Glossar

Vergessenskurve (Ebbinghaus)

Ebbinghaus (1885) zeigte: Ohne Wiederholung vergessen Menschen 42 % des Gelernten nach 20 Minuten, 67 % nach einem Tag und 79 % nach 30 Tagen. Murre & Dros (2015) replizierten diese Ergebnisse und fanden eine noch steilere Kurve.

100% DSGVO-konform
Hosting in Europa
HR Innovation Award 2025: Finalist

Was ist die Vergessenskurve?

Hermann Ebbinghaus entdeckte 1885 in systematischen Selbstversuchen: Ohne gezielte Wiederholung verblasst Gelerntes schnell und nach einem vorhersehbaren Muster. Die Vergessenskurve (Forgetting Curve) beschreibt diesen exponentiellen Abfall der Gedächtnisleistung über die Zeit.

Ebbinghaus maß den Vergessensfortschritt über sogenannte Savings Scores: Wie viel Prozent der ursprünglichen Lernzeit lässt sich beim Wiederlernen einsparen? Ein Savings Score von 58 % nach 20 Minuten bedeutet: Das Gehirn hat noch 58 % der ursprünglichen Information gespeichert – 42 % sind bereits vergessen.

Murre und Dros (2015) replizierten Ebbinghaus' Originalexperiment unter modernen wissenschaftlichen Standards und bestätigten das grundlegende Muster. Ihre Replikation fand sogar eine steilere Kurve: In ihrer Studie waren nach 31 Tagen rund 96 % vergessen, verglichen mit 79 % in Ebbinghaus' Originaldaten.

Originaldaten

Ebbinghaus (1885) – Savings Scores

Ebbinghaus lernte Listen sinnloser Silben auswendig und maß, wie viel Zeit er beim Wiederlernen nach verschiedenen Intervallen sparte. Die folgende Tabelle zeigt die Ergebnisse aus seinen Originalexperimenten.

Ebbinghaus, H. (1885). Über das Gedächtnis. Leipzig: Duncker & Humblot.
Replikation: Murre, J. M. J., & Dros, J. (2015). Replication and Analysis of Ebbinghaus' Forgetting Curve. PLOS ONE, 10(7). doi:10.1371/journal.pone.0120644 ↗
Zeit nach dem Lernen Vergessen (%) Noch behalten (%) Verlauf
Unmittelbar danach 0 % 100 %
0 %
20 Minuten 42 % 58 %
42 %
1 Stunde 56 % 44 %
56 %
9 Stunden 64 % 36 %
64 %
1 Tag 67 % 33 %
67 %
2 Tage 72 % 28 %
72 %
6 Tage 75 % 25 %
75 %
31 Tage 79 % 21 %
79 %

Quelle: Ebbinghaus (1885), zitiert nach Murre & Dros (2015), PLOS ONE. Die Prozentwerte geben den Anteil vergessener Inhalte an (100 % − Savings Score).

Replikationsstudie

Murre & Dros (2015) – Was die Replikation ergab

Murre und Dros replizierten Ebbinghaus' Experiment unter kontrollierten Bedingungen mit moderner Methodik. Ihr zentrales Ergebnis: Die Vergessenskurve ist noch steiler als 1885 gemessen. In ihrer Studie waren nach 31 Tagen bereits rund 96 % vergessen – verglichen mit 79 % im Original. Beide Kurven teilen jedoch die gleiche Form: Der stärkste Abfall erfolgt innerhalb der ersten 24 Stunden.

Die Autoren fanden außerdem, dass die Serialposition eine Rolle spielt: Inhalte aus der Mitte einer Lernsequenz werden schneller vergessen als Inhalte vom Anfang oder Ende.

Murre, J. M. J., & Dros, J. (2015). Replication and Analysis of Ebbinghaus' Forgetting Curve. PLOS ONE, 10(7), e0120644. Studie lesen ↗

Drei Zahlen, die L&D-Verantwortliche kennen sollten

Alle Werte stammen aus der Ebbinghaus-Originalstudie (1885), repliziert durch Murre & Dros (2015).

42 %
vergessen nach 20 Minuten – noch bevor das Seminar zu Ende ist
67 %
vergessen nach 1 Tag – der stärkste Abfall passiert über Nacht
79 %
vergessen nach 30 Tagen – ohne aktive Wiederholung oder Anwendung

Warum die Vergessenskurve für Unternehmen teuer wird

Der Abfall beginnt sofort

42 % nach 20 Minuten, 67 % nach einem Tag. Der größte Verlust passiert noch vor der ersten Anwendung im Arbeitsalltag. Einmalige Seminare kommen zu spät.

46 Mrd. Euro jährlich betroffen

Deutschlands Weiterbildungsausgaben laut IW-Weiterbildungserhebung 2023. Ohne Gegenmaßnahmen verpufft ein Großteil dieser Investition, weil das Gelernte nicht langfristig behalten wird.

Wiederholung ist nachweislich wirksam

Spaced Repetition und Active Recall können die Retention signifikant erhöhen. Die Forschung zeigt: Wer das Richtige zur richtigen Zeit wiederholt, durchbricht die Kurve nachweislich.

KI-Tutoring verdoppelt den Lernerfolg

Kestin et al. (2025) zeigten in einem randomisierten Experiment: Pädagogisch gestaltetes KI-Tutoring verdoppelte den Lernerfolg gegenüber klassischem Präsenzunterricht. Zur Studie →

Die Vergessenskurve brechen: Was die Forschung empfiehlt

Aus der Lernpsychologie gibt es klar belegte Methoden. Alle setzen beim gleichen Mechanismus an: aktives Abrufen statt passives Rezipieren.

  • Spaced RepetitionWiederholung kurz vor dem Vergessen: 1 Tag, 3 Tage, 7 Tage, 14 Tage, 30 Tage. Jede Wiederholung zur richtigen Zeit stärkt die Gedächtnisspur überproportional.
  • Active RecallAktives Abrufen aus dem Gedächtnis ist wirksamer als Wiederlesen. Das Gehirn muss sich anstrengen – genau das festigt die Spur.
  • AnwendungsübungWissen in konkreten Szenarien anwenden – Rollenspiele, Fallbeispiele, Praxissimulationen – verankert Inhalte im Langzeitgedächtnis.
  • Sofortiger EinstiegDer stärkste Abfall passiert in den ersten 24 Stunden. Wer unmittelbar nach dem Training beginnt zu wiederholen, rettet den Großteil des Gelernten.
20 Min: 42 % vergessen (Ebbinghaus, 1885)
1 Tag: 67 % vergessen (Ebbinghaus, 1885)
31 Tage: 79 % vergessen (Ebbinghaus, 1885) / 96 % (Murre & Dros, 2015)

So hilft Ailentis gegen die Vergessenskurve

KI-gestützte Wiederholung und Übung direkt im Arbeitsalltag – automatisiert, kursinhaltsbasiert und messbar.

1

Automatische Spaced Reminders

Der KI-Lernbegleiter erinnert zum optimalen Zeitpunkt per Chat oder Sprache – kurz bevor die Ebbinghaus-Kurve steil abfällt. Kein manuelles Planen nötig.

2

Active Recall durch Dialog

Statt Folien noch einmal durchklicken: Die KI stellt Fragen, fordert Abruf, gibt Feedback. Jede Interaktion ist ein Retrieval-Practice-Moment.

3

Praxistransfer durch Szenarien

Rollenspiele, Fallbeispiele und situatives Coaching auf Basis der echten Kursinhalte – das Gelernte landet im Arbeitsalltag, nicht im Vergessen.

Verwandte Begriffe und Studien

Häufige Fragen zur Vergessenskurve

Woher stammen die konkreten Prozentwerte (42 %, 67 %, 79 %)?

Diese Werte stammen direkt aus Hermann Ebbinghaus' Originalexperimenten von 1885 (Über das Gedächtnis). Er lernte Listen sinnloser Silben und maß, wie viel Lernzeit er beim Wiederlernen nach verschiedenen Zeitabständen einsparte (Savings Score). Die Prozentwerte geben an, wie viel des Gelernten bereits vergessen war (100 % minus Savings Score). Murre & Dros replizierten die Studie 2015 und bestätigten das Muster.

Gelten diese Zahlen auch für berufliches Lernen?

Ebbinghaus arbeitete mit sinnlosen Silben, die unter maximalen Vergessungsbedingungen gelernt wurden. Für bedeutungsvolles, kontextgebundenes Wissen (wie berufliche Inhalte) ist das Vergessen in der Regel etwas langsamer. Das Muster bleibt jedoch gleich: stärkster Abfall in den ersten 24 Stunden, Abflachung danach. Studien zu beruflichem Lernen (z. B. Baldwin & Ford, 1988) bestätigen, dass ohne aktive Anwendung nur 10–15 % des Trainingsinhalts dauerhaft transferiert wird.

Warum fand die Replikation (Murre & Dros, 2015) eine steilere Kurve?

Murre & Dros stellten fest, dass ihre Kurve steiler abfiel als Ebbinghaus' Original: Nach 31 Tagen waren in ihrer Replikation rund 96 % vergessen (gegenüber 79 % im Original). Die Autoren vermuten, dass die Versuchsbedingungen und das Lernmaterial leichte Unterschiede aufweisen. Wichtig: Beide Studien bestätigen das gleiche Grundprinzip. Die Realität ist mindestens so schlimm wie Ebbinghaus maß – möglicherweise schlimmer.

Kann man die Vergessenskurve vollständig verhindern?

Nicht vollständig – aber deutlich abflachen. Spaced Repetition und Active Recall sind die am besten belegten Methoden. Wer unmittelbar nach dem Lernen beginnt zu wiederholen (Tag 1, Tag 3, Tag 7, Tag 14, Tag 30), kann die Retention auf 80–90 % erhöhen. KI-gestütztes Tutoring (Kestin et al., 2025) verdoppelte nachweislich den Lernerfolg in einem kontrollierten Experiment.

Die Vergessenskurve mit Ailentis brechen

KI-gestützte Wiederholung und Übung, automatisiert und direkt im Arbeitsalltag. Erleben Sie, wie Ailentis das Vergessen messbar reduziert.